Zur Historie des Studentensports in Halle

Dank der engagierten Ausführungen von Prof. Dr. sc. phil. Theo Austermühle können wir auf eine gut recherchierte Abhandlung zur Geschichte der sportlichen Ausbildung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zurückgreifen. Eine kurze Zusammenfassung des im Jahr 2000 beim Verlag Meyer & Meyer erschienenen Buches „Vom Studentensport zum Hochschulsport“ können Sie hier lesen:Zur Historie des Studentensports.

Wir setzen an dieser Stelle unseren Focus auf eine Darstellung der Entwicklung des Hochschulsportes innerhalb der vergangenen 26 Jahre:

. . . Die Umgestaltung des Studentensports führte letztendlich zum dienstleistungsbezogenen Hochschulsport. Unabhängig von obligatorischen, wahlweise-obligatorischen oder schon gänzlich fakultativen Regelungen wurden Kurssysteme eingerichtet, das Angebot an Sportarten und Formen der Bewegungskultur ausgebaut, neue Zielgruppen aus dem Kreis der Hochschulangehörigen angesprochen und neue Organisationsformen eingeführt. Dabei werden auch diejenigen Sportangebote in das Hochschulsportangebot integriert, für die sich bisher die Hochschulsportgemeinschaft verantwortlich zeichnete.
Da ab 1991 im wöchentlichen Stundenplan der Studierenden keine Sperrzeiten für die obligatorische sportliche Betätigung mehr vorgesehen waren, mussten die dann fakultativen Kursangebote in den späten Nachmittag und in die Abendstunden verlegt werden. Hierbei kam es dann zwangsläufig zu Interessenkonflikten mit Sportvereinen (HSG Wissenschaft Halle), weil für sie in den vergangenen Jahrzehnten diese Zeiten reserviert worden waren.
Im Verlauf des Jahres 1990 trennte sich die HSG von der Universität und gründete einen eigenständigen Verein unter dem Namen „Universitätssportverein Halle e.V.“ (USV). Diese Namensgebung war rückblickend nicht glücklich, da der im Namen enthaltene universitäre Bezug bis zum heutigen Tag zu Verwechslungen mit dem Universitätssportzentrum (USZ) führt, welches für Studierende und Beschäftigte der Universität das Sportprogramm plant, organisiert und betreut.
Seit 1997 ist das Universitätssportzentrum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aus dem Institut für Sportwissenschaft herausgelöst und als eine zentrale Einrichtung dem Rektorat direkt unterstellt worden.

Im Laufe der 90er Jahre zeigte sich ein stetiger Anstieg der Teilnehmerzahlen am Sportprogramm des USZ. Zu Semesterbeginn war der Andrang bei den damals noch üblichen persönlichen Einschreibungen in die einzelnen Sportkurse so groß, dass sich lange Warteschlangen, von der 2. Etage über das Treppenhaus bis hinunter in den Hof bildeten.

Geduld war gefragt bei allen Studierenden, die die Angebote des USZ nutzen wollten. . .

Die Studierenden ertrugen diese Zustände sehr diszipliniert, mit viel Humor und ließen sich zur Überbrückung des Wartens einiges einfallen, so dass es vor dem Haus sogar zu spontanen Grillpartys kam.
Um den enormen Ansturm der Interessenten bewältigen zu können, entschlossen sich die Verantwortlichen des USZ, ehemalige Kolleginnen und Kollegen, die bereits im verdienten Ruhestand waren, in den Anmeldungsprozess einzubeziehen. Dieser Zustand konnte natürlich nur eine Not- bzw. Übergangslösung sein, zumal das Interesse am Hochschulsport in den Folgejahren ungebrochen war und die Teilnehmerzahlen weiter stetig anstiegen.

Mit der Erstellung einer eigenen Homepage im Jahr 1998 (eine der ersten an der MLU), auf der das gesamte Sportangebot des USZ für alle Universitätsangehörigen jederzeit einsehbar war, wurde die Voraussetzung geschaffen, dass ab dem Sommersemester 2007 die Einschreibung in die Sportkurse und die damit verbundene Gebührenzahlung erstmals online erfolgen konnte:

Somit gehörten nicht nur die langen Warteschlangen ab sofort der Vergangenheit an, auch das bargeldlose Zahlverfahren mittels Einzug und später durch SEPA-Lastschrift, erleichterte allen Beteiligten die Anmeldeprozedur sehr. Ohne diese zeitgemäße Modernisierung wären die stetig steigenden Teilnehmerzahlen bei der Einschreibung in die Sportkurse zu Semesterbeginn nicht mehr zu bewältigen gewesen. Heute verwenden wir ein speziell für den Hochschulsport konzipiertes Buchungssystem, welches ohne Kapazitätsbeschränkung funktioniert.

Während im unmittelbaren Zeitraum nach 1990 noch hauptsächlich traditionelle Sportarten das Profil des Hochschulsports prägten, wurde das Kursangebot bis in die Gegenwart hinein durch aktuelle Trendsportarten, verschiedene Kampfsportdisziplinen und Fitness-, Gesundheits- und Tanzkurse ständig ergänzt und erweitert. Als eine von ganz wenigen Hochschulen deutschlandweit, bietet das Universitätssportzentrum der MLU Halle-Wittenberg Tauchkurse an, nach deren Abschlussprüfung der Grundtauchschein des Verbandes Deutscher Sporttaucher erlangt werden kann. Hierbei muss nicht auf Kooperationspartner zurückgegriffen werden.
Inhalt fakultativer Sportangebote war von Beginn an das Krafttraining. Die Verantwortlichen des USZ erkannten sehr früh die enorme Bedeutung dieser Angebote für die körperliche Fitness von Studierenden und Beschäftigten. Wenn auch am Anfang nur sehr bescheidene materielle Voraussetzungen vorhanden waren, konnte dieser Bereich stetig ausgebaut und erweitert werden. Das Training fand zunächst im Vorraum der universitätseigenen Sporthalle im Brandbergweg statt:

Die Nachfrage stieg in kurzer Zeit so stark an, dass der Entschluss gefasst werden musste, noch ca. zwei Drittel der gesamten Halle als Fitnessraum zu nutzen. Modernste Geräte wurden angeschafft und ein qualitativ hochwertiges Training unter Anleitung war nun gesichert.
Bereits nach wenigen Semestern war auch an diesem Standort das Maximum der Auslastung erreicht, sodass beim Umzug des USZ in den Campus Heide-Süd ein zweiter Fitnessraum mit in die Planung aufgenommen wurde.
Nach Verlagerung der Dienstelle im Sommer 2011 stand zu Beginn des Wintersemesters für Studierende und Beschäftigte ein zweiter Fitnessbereich zur Verfügung, der auch sofort angenommen wurde. Zugleich wurde die erhoffte Entlastung im Objekt Brandbergweg 23 erreicht.

Obwohl die Fitnessräume bestens ausgestattet waren, erwies es sich als Nachteil, dass beide Standorte an der Peripherie der von der MLU Halle-Wittenberg genutzten Gebäude angesiedelt sind. Intensive Bestrebungen, auch im schnell zugänglichen Stadtzentrum eine Trainingsstätte für das Krafttraining zu finden, blieben leider ohne Erfolg.
Mit der vom Land geforderten Rückgabe des Areals am Brandbergweg 23 und der damit verbundenen Schließung des dortigen Fitnessraums wurde vom USZ im Stadtzentrum noch einmal intensiv nach einer Räumlichkeit zur Standortverlagerung gesucht. Es drohte die Einlagerung der Kraftgeräte in dafür bereits vorgesehene Abstellräume.
Im letzten Augenblick ergab sich durch einen glücklichen Umstand die Möglichkeit, der drohenden Geräteeinlagerung zu umgehen.
Im zentral gelegenen Einkaufszentrum LÜHRMANN konnte die Universität Flächen anmieten, die nicht nur für das Betreiben eines Fitnessstudios geeignet waren, sondern auch noch eine Erweiterung des Maschinenparks für den immer noch steigenden Nutzungsbedarf ermöglichte. Die Eröffnung des neuen studiFIT Lührmann wurde im Oktober 2016 gebührend gefeiert:

Einen großen Raum im Sportangebot des USZ nehmen zahlreiche Tanz-, Jonglage-, Luftartistik- und Akrobatikkurse ein. Der Anteil dieser Disziplinen wurde seit den 90-er Jahren ständig erweitert und ausgebaut. Zahlreiche Eintragungen auf Wartelisten spiegeln das große Interesse und die ungebrochen hohe Nachfrage in diesen Bereichen wider.
Als Höhepunkt des im Semesterverlauf stattfindenden Übungsbetriebs erhalten ausgewählte Sportgruppen die Möglichkeit, ihr Können zu den vom USZ jährlich organisierten Events zu präsentieren. Dies sind der im Januar stattfindende Winterball im Steintor-Varieté und das Bühnenprogramm zur „Langen Nacht der Wissenschaft“ Anfang Juli auf dem Universitätsplatz am Löwengebäude.

Die alljährlichen Hochschulmeisterschaften, die viele Jahre als zentrales Event auf dem Sportplatz Ziegelwiese stattfanden oder wie in jüngster Vergangenheit dezentral veranstaltet, sind beliebte Highlights im sportlichen Wettstreit von Studierenden und Universitätsangehörigen.
In den letzten Jahren findet als zusätzliches Sommerevent der TK-Unisport-Beach-Cup im Friedrichsbad Zwintschöna immer mehr Anklang. In herrlicher Natur mit Bademöglichkeit und familiären Ambiente kämpfen hier die Teams im Volleyball um den Sieg.

Die Angebote des Hochschulsports sind aber nicht nur auf die Vorlesungszeiten im Sommer- und Wintersemester beschränkt, auch in den Semesterferien laufen Angebote verschiedenster Art.
Eine lange Tradition haben dabei die Skikurse des USZ, die seit 1991 Universitätsangehörige ins Lungau nach Unternberg führt. In den Skigebieten Aineck-Katschberg, Speiereck und Fanningberg haben viele Teilnehmende die Liebe zum alpinen Skilauf entdeckt oder konnten ihr skifahrerisches Können unter fachmännischer Anleitung weiter verbessern.

In jüngster Zeit bietet das USZ auch eine Skifreizeit in La Rosiere, in den französischen Alpen, an. Dort genießt man mit Blick auf das Mont Blanc Massiv beste Ski- und Pistenbedingungen für jedes Anspruchsniveau.

Tauchsafaris nach Kroatien an der Adria und nach Giens zur Còte D’azur gehören zu den gefragten Angeboten in den Sommerferien. Hier können die bei der Tauchausbildung des USZ erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in herrlicher Landschaft angewendet, gefestigt und erweitert werden.

Für Teilnehmende der Kletterausbildung bieten in der vorlesungsfreien Zeit Kletterkurse auf Teneriffa beste Möglichkeiten, die Sportart in traumhaften Gebieten zu pflegen. Der Süden der Insel, rund um Arico, brilliert mit wunderbaren Klettergebieten, die es nicht nur den Anfängern, sondern auch den fortgeschrittenen Kletterern ermöglicht, unvergessliche Routen zu bezwingen:

Die Sportangebote des Universitätssportzentrums der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind sehr breit gefächert, flexibel und trendorientiert.
Kurse, bei denen rückläufige Einschreibzahlen zu verzeichnen sind und an Zustimmung verlieren, werden restriktiv angeboten oder aus dem Programm gestrichen. Neue Trendsportarten und Disziplinen, die in der Gegenwart aktuell und gefragt sind, werden zeitnah in das Programm aufgenommen, wenn die materiellen Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Im Sommersemester 2016 waren 364 Sportkurse in 98 verschiedenen Sportarten bzw. Disziplinen im Angebot, die von 4 Lehrkräften und 162 Übungsleitern betreut und geleitet wurden. Um Qualität und Quantität dieses umfangreichen Programms auch in Zukunft sichern zu können, bedarf es auch weiterhin einer angemessenen personellen Ausstattung von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ständig mit der Akquirierung, Betreuung, Anleitung und Ausbildung der zahlreichen Übungsleiter gefordert sind.

Text: Michael Schreier